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Wissenschaftliche Begleitung und Konzeptentwicklung für "Projektarbeit mit Gruppen von sozial auffälligen und riskant agierenden Jugendlichen"

Auftraggeber

Evangelische Gesellschaft Stuttgart e. V., Abteilung Jugendhilfe, ein großer Jugendhilfeträger mit über 800 betreuten Jugendlichen in verschiedenen Jugendhilfe-Leistungsbereichen in und um Stuttgart

Aufgabe

Zwölf Mitarbeiter der Evangelischen Gesellschaft wurden aufgrund einer trägerinternen Ausschreibung ausgewählt mit besonders gefährdeten Jugendlichen aus ihrem jeweiligen Arbeitsbereich ein Gruppenprojekt durchzuführen, das diese Jugendlichen durch die mittelfristige Hinarbeit auf ein gemeinsames, attraktives Ziel in emotionaler und sozialer Hinsicht stabilisieren sollte. Die Mitarbeiter stammten aus so verschiedenen Arbeitsbereichen wie Heimerziehung, Betreutes Wohnen/ISE nach § 35 KJHG, Mobile Jugendarbeit oder Hilfen für junge Wohnungslose nach dem BSHG. Viele der Jugendlichen galten als „besonders schwierig“, hatten bereits mehrere Betreuungen bzw. Schule und/oder Ausbildung abgebrochen und befanden sich auch in der momentanen Hilfeform in einem „heiklen Stadium“, in dem aufgrund ihres Verhaltens unklar war, ob eine weitere Betreuung seitens der finanzierenden Behörden möglich sei.

Die wissenschaftliche Begleitung sollte die Mitarbeiter dazu befähigen und dabei unterstützen,

  • ein Konzept für diese Art der gruppenbezogenen Projektarbeit zu entwickeln insbesondere für die Zielgruppe besonders gefährdeter Jugendlicher,
  • die Projektpraxis überwiegend an gegenständlichem Handeln und Produktorientierung auszurichten („mehr tun, weniger reden...“),
  • Erkenntnisse aus der Fachliteratur und den Fachdebatten in das Projekt zu integrieren,
  • ein Dokumentationssystem zu entwickeln, mit dessen Hilfe der Projektverlauf dargestellt bzw. rekonstruiert werden kann,
  • eine Evaluation zu erstellen, die Rückschlüsse über Erfolgsfaktoren zulässt sowie
  • eine Fachtagung zum Thema zu gestalten und die Ergebnisse zu publizieren.

Vorgehen/Methode:

Die wissenschaftliche Begleitung war als „formative Evaluation“ angelegt: Im Projektverlauf fanden sieben zwei- bis viertägigen Treffen statt. In diesen wurde jeweils

  • der Stand der einzelnen Projektarbeiten reflektiert,
  • Fachimpulse zu verschiedenen Themen, insbesondere zum Thema „Welche Aktivität und welcher Dingbezug bergen für welchen Typ von Jugendlichen welche entwicklungsanregenden Potentiale?“ gegeben,
  • Dokumentationssysteme für die laufende Arbeit mit den Jugendlichen (Projekttagebuch, Protokolle der Treffen mit den Jugendlichen, Dokumentation über Video etc.) entwickelt sowie
  • die Fachtagung und eine Veröffentlichung vorbereitet.

Ausgewählte Ergebnisse:

  • Neun Projektarbeitsprozesse wurden begonnen, in die ca. 60 junge Menschen involviert wurden. In den einzelnen Projekten waren so unterschiedliche Handlungsfelder zentral wie Segeln, Surfen, eine Korsika-Wanderung, der Aufbau einer Fußballmannschaft oder die Planung einer Reise nach New York. Drei der neun Projekte fanden wie geplant statt und haben ihre anfangs definierten Ziele voll erreicht. Vier der Projekte erfuhren in ihrem Verlauf erhebliche Veränderungen, durchliefen Hochs und Tiefs, haben aber wichtige Prozesse bei Einzelnen, der Gruppe oder in der Einrichtung in Gang gesetzt. Zwei Projekte kamen zwar in Gang wurden aber nach einiger Zeit von Seiten der Jugendlichen abgebrochen.

  • Die Art der Gruppenbildung hatte keinen Einfluss auf ihren Verlauf, d. h. bezogen auf den Erfolg der Projektarbeit war es unerheblich, ob die Gruppe sich vorher schon kannte, ob sie neu zusammengesetzt wurde oder sich einige schon kannten und andere dazu kamen. Ebenso unerheblich war, ob sich die Gruppe auch außerhalb der gemeinsamen Treffen sehen konnte oder ob die gemeinsamen Treffen zunächst der einzige Begegnungsort darstellte.

  • Die Kombination der erheblichen individuellen Symptomatiken in der Gruppe und der damit verbundenen Verhaltensweisen ließen erwarten, dass ein Gruppenprozess und das zielorientierte Arbeiten an einem Projekt beinahe unmöglich seien. Dennoch gelingt es aufgrund der vorhandenen Ressourcen der Jugendlichen und der Fähigkeit der Pädagogen unterstützend mit Belastungen umzugehen, immerhin bei sieben Projekten gute bis sehr gute Ergebnisse zu erzielen.

  • Die eher als „normal“ beschriebenen Jugendlichen mit guten Peergroup-Beziehungen im Stadtteil betonten immer wieder ihre Unabhängigkeit und Autonomie gegenüber den Pädagogen, ließen diese „hängen“ und gefährdeten dadurch die Entwicklung des Projekts. Je klarer die biographischen Belastungen, umso deutlicher haben sich die Jugendlichen – mit allen Schwierigkeiten, die daraus für die Pädagogen erwachsen – auf die Projekte eingelassen.

  • Damit die Projekte Erfolg haben bedarf es hauptsächlich dreier Faktoren:

    Erstens müssen die Pädagogen über eine hohe Integrationskraft verfügen, sie „halten“ die Gruppe immer wieder zusammen. Viele Gruppen bleiben lange leiterzentriert.

    Zweitens darf die Zusammensetzung der Gruppe nicht zu heterogen sein und die Mitglieder bedürfen eines gewissen Interesses aneinander.

    Drittens müssen – besonders in der Startphase – einerseits die Regeln klar gemacht werden, und andererseits auch genügend angenehme und attraktive Treffen stattfinden.

Auftraggeber
Aufgabe
Vorgehen/Methode
Ausgewählte Ergebnisse
 
 
Projektzeitraum:
Dezember 2001 – September 2003

Durchführung:
Prof. Dr. Mathias Schwabe
Volker Häberlein

Veröffentlichung:
Die 230 Seiten starke Broschüre „Und es geht doch – Projektarbeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen“ kann bei der Evangelischen Gesellschaft
Stuttgart e. V. angefordert werden
Kontakt: Volker Häberlein,
Tel.: 0711/20 54 252