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Evaluation des XENOS-Projektes "Gemeinsam leben und arbeiten" im SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin

Auftraggeber

SOS Kinderdorf e. V. und SOS-Berufsausbildungszentrum Berlin

Aufgabe

Für das Projekt „Gemeinsam leben und arbeiten“, ein durch das SOS-Berufsausbildungszentrum entwickeltes XENOS-Projekt, wurde eine Evaluation der Projektangebote durchgeführt. Ziel des Projekts „Gemeinsam leben und arbeiten“ war es, über systematische Schulungsangebote die Entwicklung von interkulturellen und sozialen Kompetenzen zu fördern und damit zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung beizutragen. ;Neben der Qualifizierung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen sollten Schulungsmaterialien und eine Multiplikatorenschulung erarbeitet werden. Der ursprünglich geplante Projektzeitraum von drei Jahren konnte von Seiten des SOS-Berufsausbildungszentrums nicht realisiert werden, so dass sich auch die Evaluation auf einen ersten von insgesamt fünf vorgesehenen Evaluationsbausteinen be-schränken musste.

Vorgehen/Methode:

In der Eingangs-evaluation sollte der Ausgangsstand hinsichtlich interkultureller Fragen und Einstellungen bei den Jugendlichen und den Mitarbeitern erfasst werden: Wie wird der Umgang mit unterschiedlichen Kulturen im Berufsausbildungszentrum wahrgenommen? Wie werden Häufigkeit und Intensität von Konflikten zwischen den Jugendlichen untereinander und zwischen Jugendlichen und Erwachsenen eingeschätzt? Diese Fragestellungen wurden in einen weitgehend standardisierten Fragebogen umgesetzt, wobei sich eine Fragebogenvariante an die Jugendlichen und eine weitere an die Mitarbeiter wandte. Einige Fragen waren so gestellt, dass ein ummittelbarer Vergleich der Einschätzungen von Jugendlichen und Mitarbeitern möglich war. Mit der schriftlichen Befragung konnten 117 Jugendlichen (das sind 51 % von allen; Ausfälle gehen überwiegend auf Abwesenheit wegen des Berufsschulbesuchs zurück) und 50 Mitarbeiter (83 % von allen) erreicht werden.

Ausgewählte Ergebnisse:

  • Als ein sehr positives Ergebnis konnte in der Eingangsbefragung festgestellt werden, dass sowohl die Jugendlichen (zu 90 %) als auch Mitarbeiter (zu 97 %) gern und sehr gern ins SOS-Berufsausbildungszentrum kommen und dort arbeiten. Unterschiede gibt es dabei weder zwischen Mädchen und Jungen noch zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund.

  • Das Zusammentreffen von Personen unterschiedlicher kultureller Herkunft empfinden ca. 70 % als gut und sehr gut. Hier sind es insbesondere die Jugendlichen mit Migrationshintergrund, die eine positivere Einschätzung abgeben (83 %) als die Jugendlichen ohne Migrationshintergrund (63 %).

  • Obwohl relativ viele Jugendliche das Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen gut finden, heißt dies nicht unbedingt, dass sie auch mehr über andere Kulturen erfahren wollen: Nur 32 % wünschen sich dies. Am interessiertesten sind dabei die weiblichen Jugendlichen mit Migrationshintergrund (62 %) und am wenigsten interessiert sind die männlichen Jugendlichen mit deutschem Familienhintergrund (15 %). Die relative Verschlossenheit der deutschen Jugendlichen weist auf die Wichtigkeit von Maßnahmen zur gegenseitigen kulturellen Öffnung.

  • Dass es zwischen den Jugendlichen untereinander oder zwischen Jugendlichen und Mitarbeitern Konflikte gibt, ist ein zu erwartendes Ergebnis. Danach gefragt, zwischen wem es die meisten Konflikte gibt, sagen die Jugendlichen am häufigsten, dass es einzelne Jugendliche seien, die oft „Stress“ miteinander hätten (16 %) und auch die Mädchen untereinander würden häufig „Zoff machen“ (21 %). Die Mitarbeiter halten sich beim Ankreuzen der Kategorie „es gibt oft Konflikte“ sehr zurück und nutzen deutlich stärker als die Jugendlichen die Kategorie „manchmal“ bei ihren Einschätzungen. Von ihnen werden auch Konflikte zwischen einzelnen Jugendlichen am meisten genannt, sowie ebenfalls solche zwischen den Jugendlichen und dem Ausbildungsteam.

  • Divergierende Meinungen über die ;Konflikthaftigkeit des Zusammenlebens im SOS-Berufsausbildungszentrum gibt es bei der Frage nach der Art der problematischen Verhaltensweisen. Die Jugendlichen selbst erkennen viel seltener derartige Verhaltensweisen: Während die Mitarbeiter zu 64 % bzw. 68 % sagen, die Jugendlichen würden sich durch gegenseitiges Ignorieren strafen oder sich beleidigend äußern, empfinden dies die Jugendlichen lediglich zu 35 %.

  • Auch bei der Bewertung der Hintergründe für Konflikte liegen bei Jugendlichen und Mitarbeitern unterschiedliche Einschätzungen vor. Den Jugendlichen fiel es insgesamt schwer, sich zu dieser Frage zu äußern und wenn sie es tun, dann wird der Hauptkonfliktgrund im „Äußeren“ (also Erscheinungsbild, Kleidung etc.) (23 %) oder im „Ossi-Wessi-Konflikt“ (21 %) gesehen. Nationalität oder Religionszugehörigkeit spielt nur für 10 % der Jugendlichen eine Rolle. Die Einschätzung der Mitarbeiter ist hier ;anders: die Nationalität wird von ihnen zu 28 % als Konflikthintergrund eingeschätzt, ebenfalls bei ca. 30 % liegen die Angaben wegen „Äußerem“, „Cliquenzugehörigkeit“ und Mädchen-Jungen-Konflikten.

Die Eingangsbefragung ergab zwar insgesamt ein recht positives Bild des Zusammenlebens von Jugendliche und Ausbildungsteam im SOS-Berufsausbild-ungszentrum, jedoch hat die Befragung zahlreiche potentielle Ansatzpunkte für Verbesserungen aufzeigen können. Umso bedauerlicher ist es, dass das Projekt und die dazugehörende Evaluation nicht weiter durchgeführt werden konnte.

Auftraggeber
Aufgabe
Vorgehen/Methode
Ausgewählte Ergebnisse
 
 
Projektzeitraum:
Sommer 2003 – Sommer 2004

Durchführung:
Prof. Dr. Mathias Schwabe
Prof. Dr. Martina Stallmann
Ruth Pieper
Studenten der EFB

Veröffentlichung:
Schwabe, M., Stallmann, M.:
Dokumentation einer Posterpräsentation der Evaluationsergebnisse im SOS-Berufsbildungszentrum und an der Evangelischen Fachhochschule Berlin. Berlin 2004 (unveröffentlichtes Manuskript)