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Entwicklung einer vernetzten Fachkonzeption „Schule – Schulsozialarbeit“ und Vorschläge zur Elternaktivierung im Sozialraum Tiergarten-Süd

Auftraggeber

Stadtteilverein Tiergarten e.V. in Verbindung mit dem Bezirk Mitte, Abt. Finanzen und Jugend

Aufgabe

Das INIB wurde beauftragt, die Qualität der schulbezogenen Jugendhilfe an zwei Grundschulen im Quartier zu untersuchen. Darüber hinaus sollten Ideen entwickelt werden, Eltern mit Migra-tionshintergrund dies betrifft 90% der Kinder in Kita und Schule im Quartier) für die Zusam-menarbeit mit den pädagogischen Regeleinrichtungen aufzuschließen.

Vorgehen/Methode:

Es fanden insgesamt 18 Experteninterviews statt. Zudem wurden zwei Konzepte der Sozialarbeit an Schule und zwei Schulprogramme analysiert. Zudem fanden Gespräche mit den verantwort-lichen Steuerungskräften der Schulaufsicht und im Jugendamt statt.

Ausgewählte Ergebnisse:

Der mehr als 100 Seiten umfassende Untersuchungsbericht bildet ab, dass Ausbaufelder und Entwicklungsrichtungen in diesen Bereichen liegen:

1. Konzeptqualität der schulbezogenen Jugendhilfe
Folgende Defizite stellten sich durch die Untersuchung heraus: Durch den Verzicht auf die Bestimmung weniger Kernaufgaben drohen Gefahren, sich durch Nachgeben gegenüber akuten Anfragen von Lehrer/innen und Schüler/innen zu verzetteln. Damit einher gehen diese Gefah-ren, die an den Standorten in unterschiedlichem Ausmaß nachweisbar waren: intransparente Leistungsbeschreibungen; unzureichend überprüfbare Zieldefinitionen; Geringschätzung von Wirkungsüberprüfung (Dimensionen: Nutzermenge, Akzeptanz / Zufriedenheit, qualitative Zielerreichung); nicht hinreichend besprochene Aufgabenverteilung und Koordinations-schwächen an Schnittstellen zu Schule (Abstimmungsbedarfe zu Lehrkräften und Ganztagse-rzieher/innen). Daraus entstanden für die Jugendhilfeträger folgende Empfehlungen:

  1. Lagebeschreibung: Was gelingt? Wo hakt es? Was brauchen wir? Welches sind unsere Prioritäten?
  2. Konzepterarbeitung mit Leistungsbeschreibung; Teilleistungsbeschreibungen mit Angebotserläuterung und Herausarbeitung des sozialpädagogischen Profils
  3. Erarbeitung realistischer Ziele (Wirkungs- und Handlungsziele; Mindest- und Optimalziele)
  4. Strategische und alltägliche Arbeitsplanung (auch: Qualitätsentwicklung; kurz- und mittelfristige Schwerpunktsetzungen; Wie der Aufgabenerfüllung)
  5. Schlüsselprozess-Beschreibungen
  6. Jährliche „Mini“-Evaluationen (Kooperation mit Lehrkräften, Gruppenarbeit …) als Vorbereitung für die Auswertung mit der Schule und Konzeptfortschreibung

2. Kooperation zwischen Schule, Ganztagsbetreuung und Schulsozialarbeit
Die Kooperation der Akteure am Ort Schule würde vor allem durch folgende Schritte gewinnen: Bestimmung der Schnittmengenthemen (Konflikte am Ort Schule, Förderung, Projekte, Eltern, Soziales Lernen, Hausaufgaben, Schulklima, Schule als Lebenswelt, Kooperation mit Dritten …); Benennung von jährlichen Schwerpunktthemen für gemeinsame Entwicklung; Klärung von Erwartungen; Erarbeitung gemeinsamer und getrennter Ziele; Koordination durch Schlüssel-prozess-Abbildung für Schnittmengen-Themen: a. Ziele; b. Aufgaben und Zuständigkeiten; c. Schritte; d. Wege der Zusammenführung; e. Indikatoren für Zielerfüllung; Schaffung berechen-barer Kooperationsstrukturen („Lenkung“ durch jährliche Auswertungsberatung; jährlicher Konzept-Workshop mit Repräsentanten …). Dabei wird aus Forschungssicht der Prozess fast für wichtiger als die am Ende verfassten Texte gehalten. Zudem bildet diese Agenda ein Fünfjahres-Programm ab.

3. Aufgaben für das Jugendamt als Finanzier und Fachaufsicht
Auch die öffentliche Jugendhilfe sollte in den Prozess der Qualitätsentwicklung stärker einge-bunden sein und dabei eine Initiativfunktion entfalten. Dazu gehören: Entwicklung eines Regiestellen-Konzeptes; standortübergreifende Mantel- / Rahmenkonzepte für verschiedene Angebotstypen; Präzisierung der Zielvereinbarungen mit Standorten; Entwicklung der Berichtsqualität; Konzept für Auswertungsdialoge zwischen Jugendamt und Träger; Know how-Transfer durch kollegiale Querberatung durch konsequente bezirkliche Vernetzung.

4. Qualifizierung der Elternaktivierung
Als Handlungsempfehlungen wurden dem Bezirksamt und den Einrichtungen (Kitas, Schulen) folgende Entwicklungsthemen zur Elternaktivierung vorgeschlagen:

  1. Begegnung und Austausch: Elterntreff, etwa mit Elternfrühstück (z.B. ein Mal/Woche)
  2. Kommunikation und Information: Moderierte thematische Elternabende (Gegenseitige Erwartungen Schule – Eltern; Hausaufgaben; Ernährung; Medien; Zweisprachigkeit; Sexualerziehung; Erziehungsstile …)
  3. Einbeziehung, Beteiligung: Systematische Planung von Elternhospitation und -mitar-beit, z.B. Klassenprojekte, Ausflüge mit Einbindung von Eltern …; regelmäßige Ent-wicklungsgespräche zwischen Fachkräften und Eltern, insbesondere bei „Risikokin-dern“
  4. Feier, Geselligkeit, Anerkennungskultur: Sport-, Schul-, Laternenfeste; Aufführungen / Präsentationen; Stadtteil-, Nachbarschaftsfeste
  5. Qualifizierung mit Gebrauchswert für Mütter und Väter: Kurse wie Computer, Sprache, Meine Rechte, Umgang mit Behörden, Nähkurs, Gesundheit
  6. Fortbildung für Fachkräfte zum Thema „Interkulturelle Kompetenz und Gesprächsfüh-rung“

Als zugangsverbessernde Variablen gelten: geschlechtergetrennte Angebote; systematisch ange-legte Telefonanrufe und „Face-to-Face“-Ansprache; Hausbesuche; Einbindung der gewählten Elternvertreter/innen in Kontaktstiftung; Vertrauenspersonen und Nachbarn als Paten bzw. Brückenpersonal. Deutlich wurde, dass Elternaktivierung an Kitas und Schulen nur dann systematisch als Aufgabe angenommen wird, wenn die Regeleinrichtungen durch Kita-Bera-tung und Sozialpädagogische Dienste der Jugendämter, durch Quartiersmanagement-Mittel für interkulturelle Moderation und Schulsozialarbeit, durch freie Träger der Hilfen zur Erziehung und Familienberatungsstellen gestützt werden.

 

 

 

Auftraggeber
Aufgabe
Vorgehen/Methode
Ausgewählte Ergebnisse
 
 
Projektzeitraum:
September 2006 bis März 2007

Durchführung:
Prof. Dr. Karlheinz Thimm

Veröffentlichung:
Der Untersuchungsbericht wurde dem Auftraggeber zur Verfügung gestellt und gilt als nichtöffent-lich. Ein Aufsatz mit zentralen Ergebnissen zur Elternaktivie-rung erschien unter dem Titel „Kinder mit Migrationshinter-grund in Kindertagesstätte und Grundschule“ in: Soziale Arbeit 8/2007 (S. 302 – 309)