ÜBER UNS FORT- UND WEITERBILDUNG PRAXISFORSCHUNG ORGANISATIONSENTWICKLUNG TAGUNGEN UND KONGRESSE DOWNLOAD
  abgeschlossene Projekte
Stationsmanagement
Wertemanagement
Mitarbeitergespräch
EU Leonardo-
Benchmarking-Projekt
Begleitung der Erstellung von Qualitätsmanagment-
Handbüchern
 
 
  laufende Projekte  
  Kunden/Auftraggeber  
  Mitarbeiter  
TRIKKO - Transfer interkultureller Kompetenz

Auftraggeber

Das „TRIKKO“ Modellprojekt fand im Rahmen des Programms des Europäischen Sozialfonds (ESF) „XENOS – Leben und Arbeiten in Vielfalt“ statt.

Aufgabe

Als Ziel des Projektes wurde eine Erweiterung der interkulturellen Öffnung von Sozialen Diensten formuliert. Das Bewusstsein für diesen Bedarf entstand durch erschreckende Meldungen aus Praxis und Wissenschaft über die ungenügende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund sowie über fremdenfeindliches Verwaltungshandeln ihnen gegenüber. TRIKKO wandte sich an Institutionen und Teams aus der Sozialen Arbeit aus Berlin-Ost und den umliegenden Regionen. In sechs halbjährigen Modulen, in denen Weiterbildung und Organisationsberatung gekoppelt waren, wurde der Ausbau interkultureller Kompetenzen initiiert und unterstützt. Lerninhalte wurden durch ein interdisziplinäres und interkulturelles Dozententeam vermittelt und mit Hilfe der durchgängig beteiligten Organisationsberaterin direkt in die Praxis der jeweiligen Einrichtungen transferiert. Alle sechs Module konnten sowohl im angestrebten Zeitrahmen durchgeführt werden als auch positive Ergebnisse präsentieren. Ohne die Projektförderung durch den Europäischen Sozialfonds wären derartig intensive Fortbildungs- und Organisationsberatungsprozesse nicht möglich gewesen, da bereits die finanzielle Eigenbeteiligung der teilnehmenden Sozialen Institutionen (3.000 € für ein Modul) neben der zeitlichen Belastung eine große Hürde für kleine Organisationen darstellte. Von dem Modellprojekt profitierten insgesamt 106 Seminarteilnehmer sowie weitere 15 Teilnehmer im Rahmen der Steuerungsrunden. Somit wurde die ursprünglich angestrebte Teilnehmerzahl erreicht.

Vorgehen/Methode:

Der zweidimensionale Ansatz von Weiterbildung und Organisationsberatung zu allen Themen der Sozialen Arbeit im interkulturellen Kontext mit dem Ziel eines zeitnahen Kompetenztransfers wurde aufgrund positiver Erfahrungen der Projektleiterin ausgewählt. So setzt sich ein Modul aus einer Auftaktveranstaltung als Open Space zur Sammlung zentraler Weiterbildungsthemen, insgesamt 56 Stunden Weiterbildung und 16 Stunden Organisationsberatung, sowie einer Abschlussveranstaltung zusammen.

Ausgewählte Ergebnisse:

  • Gemeinsam war allen Teilnehmern, gemäß den Evaluationsergebnissen, die Erhöhung ihrer interkulturellen Kompetenz durch Wissenserweiterung und Selbstreflexion. Eine interkulturelle Öffnung der Institutionen ist dagegen kaum direkt messbar. Die Selbsteinschätzung der Mitarbeiter sprach aber mehrheitlich für eine verbesserte Fallarbeit in diesem Sinne. Eine veränderte Öffentlichkeitsarbeit mit dem Focus auf eine interkulturelle Klientel konnte besonders in einer Institution beobachtet werden, nachdem dort auch innerhalb der Institution neue Schwerpunkte gesetzt worden waren.

  • Alle Teams erreichten mit Unterstützung der Organisationsberaterin eine Reflexion der Mitarbeiterstruktur hinsichtlich ihrer interkulturellen Kompetenzen. Darunter können u. a. eine Zusammenstellung aller in der Institution vorhandenen Sprachkompetenzen, eine Übersicht über genutzte Migranten-Netzwerke, eine Börse internationalen Hintergrundwissens subsumiert werden. Somit lassen sich als Ergebnisse eine übereinstimmend verbesserte Fallarbeit im Sinne eines geöffneten Zuganges für Personen/Familien mit Migrationshintergrund, eine fruchtbare Reflexion der Mitarbeiterstruktur hinsichtlich vorhandener aber nicht immer genutzter interkultureller Kompetenzen sowie eine veränderte Öffentlichkeitsarbeit zum Wohle zukünftiger Öffnungsprozesse festhalten.

  • Multiplikatoren aus Sozialen Diensten waren die Zielgruppe, die wiederum in vernetzten Institutionen wirken und mit Migranten arbeiten. Da eine größtmögliche Veränderung im Sinne einer Erweiterung der interkulturellen Kompetenzen und Öffnung begonnen wurde, kann von Schritten im Rahmen individueller Persönlichkeitsentwicklung, von prozessualer institutioneller Sensibilisierung als auch von neuen Kooperationsformen mit Migranten als Klienten/Kunden gesprochen werden, die zusammen das Image einer Stadt/Region beeinflussen.

  • Direkte Auswirkungen sind als Verbesserung im Arbeitsalltag festzumachen. Die Evaluation ergab eine positivere Atmosphäre am Arbeitsplatz, da Überforderung durch Hilflosigkeit im interkulturellen Kontext abgebaut werden konnte. Zukunftsperspektiven konnten weniger belastet entwickelt werden. Interkulturalität schien handhabbarer geworden zu sein.

  • In allen beteiligten Institutionen war zu beobachten, dass durch die Teilnahme am Projekt die (wenigen) beschäftigten Migranten eine Aufwertung in den Teams erfuhren. Es schien so, als hätten diese seit langem auf diese Thematisierung gewartet und nun endlich etwas von ihrem aufgestauten inneren Druck abgeben könnten. Somit konnte im Laufe des Modellprojektes bei den meisten von ihnen eine persönliche Entlastung verzeichnet werden. Die Fixierung auf ihr vermeintliches Spezialistentum wollten sie gerne für eine gleichberechtigte Position im Team aufgeben, was im Idealfall eine Fallverteilung nicht nach Kulturhintergrund sondern nach Fachkompetenz bedeutete.

  • Interessant ist in diesem Zusammenhang die Auseinandersetzung mit dem Islam. Die Teamdiskussionen schienen sowohl von Seiten der moslemischen als auch von Seiten der nicht-moslemischen Kollegen problematisch zu sein. In einem Seminar mit einem ebenso kritischen wie praxiserfahrenen Islamwissenschaftler konnten die Mitarbeiter einerseits die Angst vor einer Auseinandersetzung sowie den Zwang zur politischen Korrektheit verlieren und andererseits eigene begründete und damit austauschbare Positionen beziehen (vgl. hierzu den Text von Dr. Ralph Ghadban auf Seite 25).

  • Außerdem kann mit einer Öffnung im Team ein Vorbehalt gegenüber Bewerbern mit Migrationshintergrund reduziert, eine größere Akzeptanz und damit auch eine geringere Arbeitslosigkeit in dieser Personengruppe erzielt werden.

  • Abschließend ist aus der Sicht der Projektleitung ein positives Resümee zu ziehen, da der Aufwand der sechs Module in einem gelungenen Verhältnis zu den bisher erkennbaren Ergebnissen steht.

Auftraggeber
Aufgabe
Vorgehen/Methode
Ausgewählte Ergebnisse
 
 
Projektzeitraum:
November 2001 bis September 2004

Durchführung:
Prof. Dr. Brigitte Wießmeier

Veröffentlichung:
Wießmeier, B.: Mehr Miteinander durch interkulturelle Kompetenzen? Ergebnisse eines XENOS-Projektes. In: Forum Gesundheit und Soziales, Halbjahresschrift der Evangelischen Fachhochschule Berlin, Heft 1/2006, S. 55-62

Die Abschlussdokumentation des XENOS - Projektes „TRIKKO“ kann über das INIB-Sekretariat bezogen werden.