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Das Modellprojekt Qualitätsentwicklung der Berliner Jugendarbeit

Auftraggeber

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend, Sport

Aufgabe

Die Bedeutung des Modellprojektes liegt in der Realisierung eines  gemeinsamen Verfahrens der Qualitätsentwicklung für alle ca. 450 Berliner  Jugendfreizeitstätten freier und öffentlicher Träger und der Aussicht, ein ebenfalls landesweit geltendes Modell der Unterstützung fachlicher und jugendpolitischer Entscheidungen durch ein qualitatives Berichtswesen im Rahmen des kommunalen Wirksamkeitsdialoges anbieten zu können.

Vorgehen/Methode:

Im Unterschied zum Qualitätsmanagement bei der Produktion von Autos oder kommerziellen Dienstleistungen steht beim Qualitätsmanagement in sozialpädagogischen Arbeitsfeldern nicht primär die effiziente Gestaltung der Arbeitsprozesse, sondern die kontinuierliche Qualitätsentwicklung im Mittelpunkt. In den meisten Feldern der Sozialpäd-agogik gibt es zwar eine Fülle bewährter fachlicher Erfahrungen und Konzepte, dennoch fallen immer dann Unsicherheiten auf, wenn es um die konkrete Beschreibung des Handelns im Detail geht. Da Qualitätsmanagement die nachvollziehbare, detaillierte Beschreibung der Ziele, Arbeitsprozesse und Ergebnisse erfordert, kann jeder Schritt auf dem Weg zum Qualitätsmanagement auch als ein Prozess zur Qualitätsentwicklung verstanden werden. Indem sich die Mitarbeiter eines Arbeitsbereichs über ihre fachlichen Vorstellungen und Handlungsweisen austauschen und sich über die wichtigsten Schritte ihrer pädagogischen Arbeit einigen, erweitern sie ihr Wissen.

Im Modellprojekt „Qualitätsentwicklung der Berliner Jugendarbeit“ wurden die beteiligten Jugendfreizeiteinrichtungen dazu angeregt, unterschiedliche Qualitätsvorstellungen zu benennen und diese in einem dialogischen Verfahren auszubalancieren.
Ein Plan zur Qualitätsentwicklung in komplexen Organisationsstrukturen kann nur gelingen, wenn die zuständigen Akteure aller Ebenen von Anfang an in dialogischen Prozessen an einem solchen Vorhaben beteiligt werden. Im Modellprojekt „Qualitätsentwicklung der Berliner Jugendarbeit“ ist mit einer besonderen Projektarchitektur ein entscheidendes Mittel zur Steuerung der Kommunikation zwischen allen Akteuren und Ebenen  installiert worden. Gesteuert wurde das Modellprojekt durch eine Projektgruppe, die den gesamten Prozess auf allen beteiligten Ebenen nach „oben“ wie auch nach „unten“ koordinierte.

In der Projektgruppe wirkten neben der fachlichen Beraterin Vertreter der beteiligten Bezirksämter mit. Die Projektgruppe organisierte Fortbildungen und Workshops für ca. 27 interessierte Jugendfreizeiteinrichtungen und moderierte für jeweils drei bis vier dieser Freizeiteinrichtungen die Erarbeitung von Kernprozessen zum Qualitätshandbuch. In den Workshops tauschten sich die Mitarbeiter mehrerer Jugendfreizeitstätten zusammen mit den Moderatoren über die pädagogischen Ziele und Prozesse aus, die die Mitarbeiter aufgrund ihrer Kompetenzen und Erfahrungen für bedeutsam hielten.

Auch wenn diese Diskussionen zuweilen kontrovers verliefen, wurde in ihnen ein Prozess der Qualitätsentwicklung in Gang gesetzt, der die Perspektiven aller Beteiligten produktiv erweiterte.

Die Arbeitsergebnisse aus den Workshops wurden zum einen in die nächst höheren bezirklichen Instanzen zur Abstimmung gegeben. Zum zweiten wurden sie anderen – nicht beteiligten Jugendfreizeiteinrichtungen – zur kritischen Revision vorgelegt. Nachdem auf diesem Wege die erste Version des QM-Handbuchs entstanden und von allen Seiten akzeptiert war, erhielten weitere – nicht am Entwicklungsprozess beteiligte – Einrichtungen das QM-Handbuch. Diese konnten wiederum nach einer Einführungsphase ihre kritischen Verbesserungsvorschläge einreichen. Die Einführung des QM-Handbuchs in anderen Freizeiteinrichtungen wurde laufend durch Mitarbeiter aus den am Entwicklungsprozess beteiligten Einrichtungen unterstützt

Ausgewählte Ergebnisse:

  • Im Sommer 2004 haben alle Berliner Jugendfreizeiteinrichtungen das QM-Handbuch erhalten. Inzwischen sind alle Berliner Jugendfreizeiteinrichtungen aufgefordert, einmal jährlich in Form einer Selbstevaluation ca. 10 Kernprozesse „auszuwerten“ und das Ergebnis dieser Auswertung in Form eines Qualitätsberichts festzuhalten.

  • Der Qualitätsbericht bildet die Grundlage für Zielvereinbarungen, die in Form fachlich-inhaltlicher Kommunikationsprozesse zwischen den jeweiligen Jugendfreizeiteinrichtungen und dem zuständigen Fachbereich des Jugendamtes erarbeitet werden. Der Qualitätsbericht ist somit neben dem QM-Handbuch ein weiteres Instrument, um zu einer reflexiven Praxis in der Jugendarbeit zu gelangen. In ihm sollen die wesentlichen Ergebnisse und Erfahrungen der pädagogischen Arbeit der Einrichtung herausgestellt und kommuniziert werden.


Auftraggeber
Aufgabe
Vorgehen/Methode
Ausgewählte Ergebnisse
 
 
Projektzeitraum:
2002 – 2004 Erarbeitung und Erprobung des QM-Handbuchs

2005 – 2007 Überarbeitung und Erweiterung des QM-Handbuchs durch neue Schwerpunkte

Durchführung:
Projektleitung: Wolfgang Witte, Senatsverwaltung für Bildung, Jugend, Sport
Fachliche Beratung und Anleitung: Prof. Dr. Marianne Meinhold

Veröffentlichung:
Witte, W., Meinhold, M., Jacobsen, H., Schweele, S. (2004): Das Modellprojekt
Qualitätsentwicklung der Berliner Jugendarbeit.
In: Offene Jugendarbeit 4/SH 2, S. 50-62.

Das Handbuch ist hier erhältlich (PDF Dokument 810 kB).